Gemeinsam für Wesel

Erst Kohle, dann Kies und bald Gas? Die Pläne einiger Unternehmen zum Abbau von Bodenschätzen werden zurzeit kontrovers diskutiert

Eine Beteiligung der Öffentlichkeit hat nicht stattgefunden und ist nicht vorgesehen

Dieter Kloß, Kreistagsmitglied/ Ausschuß Umwelt und Planung
Dieter Kloß, Kreistagsmitglied/ Ausschuß Umwelt und Planung

Links:

Kreis-Informationen

 www.weselgas.com

 

Dieter Kloß, Kreistagsmitglied/ Ausschuß Umwelt und Planung

 

Geheimsache Gas ärgert Kreis

Während sich in Wesel, Hamminkeln und Schermbeck die Sorgen übertrinkwassergefährdende Gassuche mehren, sind alle anderen Gebiete im Kreis Wesel schon verteilt. Politik und Verwaltung fordern Infos und Beteiligung.

VON FRITZ SCHUBERT

KREIS WESEL Den Letzten beißen die Hunde: So stellt sich die Lage dar, nachdem ein Antrag der Thyssen Vermögensverwaltung zur Suche nach Gas in Wesel, Schermbeck und Hamminkeln derzeit für Wirbel sorgt. Hintergrund sind Bedenken, es könnten trinkwassergefährdende Chemikalien zum Einsatz kommen. Dabei scheint Thyssen der letzte Antragsteller zu sein. Geräuschlos sind bereits alle anderen Gebiete verteilt beziehungsweise in entsprechenden Verfahren. Die Geheimsache Gas ärgert Politik und Verwaltung im Kreis Wesel gleichermaßen. Denn wegen Bergrecht sind sie de facto von Genehmigungsverfahren der Bezirksregierung Arnsberg ausgeschlossen. Doch in Ansätzen ändert sich das jetzt. Technischer Dezernent Hans-Joachim Berg sagte gestern im Umwelt- und Planungsausschuss des Kreises, dass Landrat Dr. Ansgar Müller mit Arnsbergs Regierungspräsident eine Informationsveranstaltung vereinbart hat. Der Termin steht noch nicht fest. Außerdem machte Berg klar, dass der Kreis als Untere Wasserbehörde erstmals eingebunden ist und ohne sein Einvernehmen nichts geht.

Thyssen verspricht Transparenz

Solche Lichtschimmer ändern nichts am grundsätzlichen Unbehagen, dass unter der Erde alles Mögliche passiert, der Kreis, die Kommunen und die Menschen aber nichts mitbekommen (sollen). Berg soll für Kreisausschuss und Kreistag dazu ein Papier erarbeiten. Zielrichtung dürfte sein, einen Schulterschluss in der Region zu erzielen, um das Bergrecht zu ändern und Umweltverträglichkeitsprüfungen samt Beteiligung der Betroffenen zu verankern.

Gerade Beteiligung ist das, was der in den Blickpunkt geratene Antragsteller Thyssen von vornherein selbst angeboten hat. Dr. Gerd Hagenguth(Thyssen) legte dem Ausschuss dar, dass man selbst erst durch Zufall aufmerksam wurde. Nämlich durch einen Blick auf eine Karte des Konkurrenten Mingas (Stadtwerke-Konsortium, vormals Evonik/Steag), der Thyssen-Rechte im Feld „WeselGas" (siehe Grafik) wohl beanspruchen wollte.

Dr. Hagenguth erklärte breit die Unterschiede von unsauberer Gassuche im Münsterland, wo Schiefer geknackt werden müsse, und dem, was seinem Haus bei der Gewinnung von Methan aus bereits am Rand angebrochenen Kohleflözen vorschwebt. Über das Wie könne er noch nichts sagen, denn das müsse nach den beantragten Untersuchungen, die noch keine Bohrungen seien, entwickelt werden. „Wir wollen keine Umweltverschmutzung und keine Trinkwassergefährdung", sagte Hagenguth, der bei Untersuchungsgenehmigung die sofortige Einrichtung eines Technischen Ausschusses vorschlug, in dem jeder Schritt offen diskutiert werden soll. Dies hat er nachweislich schon am 2. Februar der Bezirksregierung Arnsberg mitgeteilt". Zur Sprache kam dies nie. Unterdessen wurde Lokalpolitik unruhig.

 

Unterlagen einsehbar

Vorbereitend zur Sitzung hatte die Kreisverwaltung gestern bereits Unterlagen der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg als Information ins Internet gestellt. Behandelt werden die Themen „Rechtlicher Rahmen bei der Erkundung unkonventioneller Erdgaslagerstätten" und „Geologische Aspekte". Diese Unterlagen können auf der Homepage des Kreises Wesel eingesehen werden: www.kreis-wesel.de. Wer wissen will, wie Thyssen die Gassuche anpacken will, wird unter www.weselgas.com fündig.

 

 

 

Dieter Kloß, Kreistagsmitglied/ Ausschuß Umwelt und Planung

Fast alle Flächen sind schon verteilt

Umweltausschuss beschäftigte sich mit den Plänen von Firmen, am Niederrhein nach Gas zu suchen.

Michael Turek

Kreis Wesel. Erst Kohle, dann Kies und bald Gas? Die Pläne einiger Unternehmen zum Abbau von Bodenschätzen werden zurzeit kontrovers diskutiert. Auch weil aufgrund des geltenden Bergrechts eine Beteiligung der Öffentlichkeit nicht stattgefunden hat und nicht vorgesehen ist. Das, so die Mitglieder des Planungs¬und Umweltausschusses, sei ein großes Problem. Beschäftigt haben sich die Politiker auch mit den Plänen der Thyssen Vermögensverwaltungs GmbH. Das Unternehmen will sich das Feld WeselGas sichern.

Für die Thyssen Vermögensverwaltung warb Dr. Gerd Hagenguth bei den Politikern um Vertrauen und Verständnis. Von ihm erfuhren sie, dass sich andere Unternehmen fast alle Flächen im Kreis Wesel schon gesichert hätten. Ohne dass darüber öffentlich diskutiert worden sei. Erst als die Firma, die im Bereich Wesel das Recht besitzt, Kohle und Gesteinssalz abzubauen, erfahren hat, dass andere Konzerne sich Flächen gesichert hatten, habe sie selbst einen Antrag gestellt. Die Sicherung sei der erste Schritt, so Hagenguth, der ankündigte, man werde sehr transparent mit dem Thema umgehen. Es sei auch nicht beabsichtigt, mit Chemikalien Gas zu fördern.

Unternehmen will informieren

Wenn es erlaubt werde, wolle man Flözgas gewinnen. Das sei etwas anderes als das Gas, das durch den Einsatz yon Wasser und Chemikalien gewonnen wird und seit einigen Tagen für Diskussionen sorgt. Man wolle das in den Kohleflözen vorhandene Gas gewinnen. „Was wir nicht machen wollen, ist eine Umweltverschmutzung, eine Trinkwassergefährdung", betonte Hagenguth, den die Politiker von Diskussionen über den Kiesabbau am Lipperandsee kennen.

In einem Schreiben an den Landrat, so Hagenguth, habe die Thyssen Vermögensverwaltung angekündigt, sie werde einen technischen Ausschuss einrichten, in dem sie über alle Fragen informieren und Diskutieren.

Über die Technik, die für die Gasgewinnung eingesetzt werde, könne er nichts sagen, so Hagenguth. Denn man habe noch keine Untersuchungen gemacht. Daten wolle man sammeln, um zu sehen, was sich methodisch anbietet. Seit über 100 Jahren habe man für Flächen, die sich von Alpen über Wesel bis nach Schermbeck ziehen, das Recht, Kohle und Gesteinssalz abzubauen. „Davon leiten wir aber nicht ab, dass wir alles machen können, was wir wollen", warb er um Vertrauen. Bevor dort gebohrt oder geschürft werden dürfe, müsse eine neue Genehmigung eingeholt werden.

Die Bezirksregierung Arnsberg kündigte nach Auskunft der Kreisverwaltung an, sie werde Bohrungen nur erlauben, wenn die Unteren Wasserbehörden, die bei den Kreisen angesiedelt sind, die Einvernehmlichkeit erklären.

Die Politiker sind bislang allerdings außen vor. Das solle sich aber ändern, hieß es im Plenum. Nun würden Wege gesucht, das Bergrecht zu ändern. Für jede Bohrung müsse eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgenommen werden. Auch die Beteiligung der Bevölkerung müsse geregelt werden. Alles Dinge, die bisher fehlen.

 

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