Gemeinsam für Wesel

"Erlebnisbericht" über eine Bahnfahrt von Ludger Hovest

Brief an Bahnchef Herrn Dr. R. Grube / Neu eingestellt, Antwortschreiben!!!

Bisher habe ich über diese Probleme immer theoretisch diskutiert. Nun habe ich eine Krisensituation persönlich mit vielen anderen Reisenden erlebt. Als Politiker werde ich nicht meine Zustimmung geben, die im Planfeststellungsverfahren irgendwann notwendig wird. Diese kann ich erst geben, wenn alle diese Fragen ohne Wenn und Aber zufriedenstellend beantwortet sind.

 

Ludger Hovest, SPD Fraktionsvorsitzender
Ludger Hovest, SPD Fraktionsvorsitzender

 

Antwortschreiben:

Reiner Latsch

Konzernbevollmächtigter für das Land Nordrhein-Westfalen

Herrn

Ludger Hovest
Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Wesel

17. April 2013

Sehr geehrter Herr Hovest,

vielen Dank für Ihr Schreiben an Herrn Dr. Grube, der mich gebeten hat, Ihnen direkt zu antworten.

Wir bedauern den Vorfall mit dem ICE 528 am 1. April 2013 und können die Ihnen und den etwa 400 Mitreisenden entstandenen Unannehmlichkeiten - auch anhand Ihrer plastischen Schilderung - nachvollziehen. Gleichzeitig möchten wir Ihnen aber versichern, dass die durch das Zugpersonal und die sonstigen Einsatzkräfte getroffenen Entscheidungen richtig waren und deren Umsetzung im Sinne der Sicherheit der Reisenden so schnell wie möglich erfolgte. Die Störung ermöglichte aufgrund einer schadhaften Oberleitung und der damit verbundenen Sicherheitsrisiken für die Reisenden keine direkte Evakuierung des Zuges mit anschließendem fußläufigem Verlassen des Tunnels. Somit wurde beschlossen, die Reisenden nach erfolgter Erstreparatur der Oberleitung und Freigabe der Havariestelle durch die elektrotechnischen Fachkräfte in einen parallel bereitzustellenden Ersatzzug zu evakuieren. Dabei kamen im vorderen Zugteil zwei Hilfsbrücken, im hinteren Zugteil eine Hilfsbrücke zum Einsatz. Die aus Ihrer Sicht geringe Anzahl der Hilfsbrücken wurde vom Zugpersonal so festgelegt, da im vorderen Zugteil eine größere Anzahl Reisender zu evakuieren war, gleichzeitig aber durch das Personal auch umfassende Umsteigehilfe gewährleistet sein sollte.

Dass die Durchsagen im Zug nur in deutscher Sprache erfolgten, bedauern wir. Die betreffenden Zugpersonale werden wir darauf hinweisen, bei den Durchsagen zukünftig auch an unsere ausländischen Fahrgäste zu denken.

Zu Ihren Ausführungen zur Sicherheit an der Ausbaustrecke (ABS) 46/2 Grenze D/NL -Emmerich - Oberhausen können wir Ihnen mitteilen, dass im Rahmen der Planungen die Richtlinie des Eisenbahn-Bundesamtes „Anforderungen des Brand- und Katastrophenschutzes an Planung, Bau und Betrieb von Schienenwegen nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG)" vom 7. Dezember 2012 beachtet wird. Über diese Richtlinie hinaus befindet sich die DB ProjektBau GmbH im ständigen Austausch mit den Feuerwehren an der ABS. Hierzu wurden zahlreiche Arbeitsgespräche und Ortsbesichtigungen an der Strecke durchgeführt, um Anforderungen der Feuerwehren an die Sicherheit im Detail abzustimmen. In vielen Bereichen konnte hier bereits eine Einigung erzielt werden. Weitere Gesprächstermine sind vorgesehen.

Wir setzen uns bereits in der Planungsphase mit den Anforderungen der Sicherheit von Bahntrassen auseinander und binden die örtlichen Einsatzkräfte frühzeitig mit in den Planungsprozess ein. Es ist uns ein wichtiges Anliegen -auch über die gesetzlichen Anforderungen hinaus- stetig den Austausch und den Dialog mit Einsatzkräften vor Ort zu suchen.

Wir hoffen, Ihre Fragen umfassend beantwortet zu haben. Sollten Sie noch Rückfragen haben, stehen wir Ihnen hierfür gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

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Deutsche Bahn AG

Bahnchef

Herrn Dr. R. Grube

Potsdamer Platz 2

10785 Berlin

 3. April 2013

 

Fahrt im ICE 528am 1. April 2013

Sehr geehrter Herr Dr. Grube,

am 1. April 2013 saß ich im ICE 528, der auf der Strecke hinter Frankfurt liegen blieb.

Es ist alles gut gegangen, außer dass die Zeit davon lief. Aber die vom DB Personal veranlassten Maßnahmen und das Verhalten des Zugpersonals haben bei mir starke Zweifel aufkommen lassen, ob die DB solche Pannen professionell und unter Wahrung der Sicherheit der Passagiere beherrscht.

Ich darf Ihnen den Ablauf als betroffener Bahnkunde, der fast direkt unter dem beschädigten Stromabnehmer seinen Platz hatte, wie folgt schildern:

Ein lauter Knall und Funkenregen waren im Tunnel sichtbar, der Zug verlor an Geschwindigkeit und blieb stehen.

Zweimal wurde der Versuch unternommen den Stromabnehmer in Gang zu setzen, es endete mit lautem Knallen und feuerwerksähnlichem Funkenflug.

Es folgte eine Durchsage „Wir haben ein Problem und holen einen Techniker aus Frankfurt“.

Dann: „Wir verteilen jetzt Wiedergutmachungsgutscheine“

Da es im Zug immer wärmer wurde, konnte sich jeder kostenlose Kaltgetränke abholen

Der Zug hatte nun ca. 1 Stunde Verspätung und die Ankunftszeit in Köln sollte 22.20 Uhr sein.

Dann fuhr auf dem Gegengleis ein Intercity vorbei und anschließend wurde uns mitgeteilt, dass der Zugführer gesehen habe, dass die Oberleitung gerissen war. Das Licht ging aus und es wurde auf Notstrom umgeschaltet.

Nach einer Weile fiel teilweise der Notstrom aus und das Zugpersonal machte die Durchsage: „Notstrom ist nicht mehr in allen Wagen vorhanden. Wer Licht braucht, gehe bitte in die Wagen, in denen noch Notstrom ist“.

Gelegentlich ging der Notstrom aber in allen Wagen für eine kurze Zeit an. Später kam ein Gerätewagen, der noch einmal feststellte: „Die Oberleitung ist kaputt“. Jetzt sollte ein Ersatz- ICE kommen. Nach ca. 3 Stunden kam der Ersatzzug. Inzwischen wurde vom Zugpersonal ein Formular über Fahrgastrechte verteilt.

Dann wurde der gesamte Zug über 1 Türe und eine ca. 50 cm breite Hühnerleiter in den anderen inzwischen eingetroffenen ICE evakuiert.

Das Personal war freundlich, die Durchsagen lauteten:

„Wir wissen auch nicht was los ist.“

„Es geht alles sehr langsam.“

„Es wird schon Hilfe kommen.“

Die englische Sprache hat das Zugpersonal in dieser Situation verloren. Alle Ansagen wurden in deutscher Sprache gemacht.

In meiner Umgebung saßen mehrere ausländische Fahrgäste, die nicht verstanden, was los war, und von anderen Fahrgästen über die Situation aufgeklärt werden mussten.

Ich schreibe Ihnen, weil ich in großer Sorge bin, ob die DB auf solch relativ harmlosen Betriebspannen oder auf echte Katastrophen richtig und angemessen reagieren kann.

Wie kann es sein, dass die Fahrgäste nicht umfassend mehrsprachig aufgeklärt wurden?

Wie kann es sein, dass ein kompletter Zug mit ca. 400 Fahrgästen über 1 Türe und eine ziemlich schmale Hühnerleiter evakuiert wurden?

Welche Evakuierungspläne hat die DB bei einer Katastrophe, wenn alles schnell und zügig gehen muss, bzw. wenn es brennt?

Ist dann auch nur 1 Türe mit Hühnerleiter verfügbar oder gibt es ordentliche und anwendbare Evakuierungspläne?

Sehr geehrter Herr Dr. Grube,

ich schreibe Ihnen dieses auch als Vorsitzender der SPD Ratsfraktion in Wesel, wo wir seit 20 Jahren mit der DB über den Bau der Betuwe im Clinch liegen. Hier geht es um Lärmschutz und insbesondere um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, die an der Bahnlinie wohnen.

Wenn die Betuwe kommt, gibt es durch die Lärmschutzmaßnahmen und den Bau der Lärmschutzwände ähnliche Troglagen und abgeschlossene Bereiche wie in dem Niedernhausener Tunnel.

Wie wird dann evakuiert, wenn ein Brand ausbricht oder ein Zug mit den reichlich vorhandenen Gefahrgütern, die auf der Betuwe transportiert werden, beispielsweise entgleist?

Die Menschen an der Betuwe stellen diese Fragen in der Sorge um ihre Sicherheit und sie haben Angst.

Ich fordere Sie deshalb auf, diese Ängste und Bedenken der Menschen von vorneherein durch überzeugende Sicherheitskonzepte zu zerstreuen.

Die Verantwortlichen vor Ort, in der Politik, in der Sicherheit, bei der Feuerwehr usw. müssen mitgenommen und überzeugt werden.

Hier hat die DB bei weitem noch nicht alles getan und eine Bringschuld.

Bisher habe ich über diese Probleme immer theoretisch diskutiert. Nun habe ich eine Krisensituation persönlich mit vielen anderen Reisenden erlebt.

Als Politiker werde ich nicht meine Zustimmung geben, die im Planfeststellungsverfahren irgendwann notwendig wird. Diese kann ich erst geben, wenn alle diese Fragen ohne Wenn und Aber zufriedenstellend beantwortet sind.

Mit freundlichen Grüßen

Ludger Hovest

Fraktionsvorsitzender

 

 

 

 

 

 


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