Gemeinsam für Wesel

Ist die "Pelobates fuscus" (Knoblauchkröte) das Aus für die Einfamilienhausplanung in Diersfordt

Natur muß vor Bebauung gehen, sagt Ludger Hovest

Ludger Hovest, Fraktionsvorsitzender
Ludger Hovest, Fraktionsvorsitzender

 

Ludger Hovest, Fraktionsvorsitzender


Knoblauchkröte stoppt Baupläne vorerst.

Das seltene Tier lebt nahe der Orangerie des Schlosses in Diersfordt, wo Einfamilienhäuser entstehen sollen. Jetzt wird auf ein Gutachten gewartet.

Petra Herzog

Wesel. Kippt der Lurch des Jahres 2007 die Pläne für eine Bebauung in Diersfordt? Möglich ist dies offenbar, denn es handelt sich um die seltene und vom Aussterben bedrohte Knoblauchkröte, die in der Nähe der Orangerie von Schloss Diersfordt gesichtet wurde, wie Arno Geiger vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW in Recklinghausen auf Nachfrage bestätigt.

Rote Liste

Schon seit Ende vergangenen Jahres ruhen die Arbeiten beim Fortgang zur Aufstellung des umstrittenen Bebauungsplans Nr. 195 „Westliche Kastanienallee", an der sechs bis acht Wohnhäuser entstehen sollen. Ein Fachbüro ist damit beauftragt, ein entsprechendes Gutachten anzufertigen. Sollte die Knoblauchkröte mit der lateinischen Bezeichnung „Pelobates fuscus" hier tatsächlich in größerer Zahl anzutreffen sein, wovon beispielsweise die Biologische Station im Kreis Wesel ausgeht, und möglicherweise noch mehr Schützenswertes entdeckt werden, könnte das das Aus für die hier vorgesehene Einfamilienhausplanung sein.

Der bei der Stadt zuständige Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Michael Klessa, bestätigt, dass das Areal daraufhin untersucht werde, ob es schützenswert sei. Klaus Kretschmer von der Biologischen Station spricht mit Blick auf die Knoblauchkröte von einer hochgradig geschützten Art in schlechtem Erhaltungszustand. Die Bestände seien weiter rückläufig, ein Teil des europäischen Naturerbes drohe zu erlöschen. Die Kröte, die in bestimmten Situationen Knoblauchgeruch absondert, ist nur schwer zu orten, steht auf der Roten Liste der Kategorie 1 in Nordrhein-Westfalen und ist FFH-Art gemäß gleichnamiger europäischer Richtlinie. Bevor Klessa eine Prognose zum Bebauungsplan macht, muss er erst die Ergebnisse der Untersuchung abwarten.

Während es die einen freuen würde, wenn der unghinderte Blick auf den Diersfordter Waldsee wie gehabt bestehen bleibt, würden andere sich ärgern. Sie befürchteten in der Diskussion, die vor rund zwei Jahren vor der Kommunalwahl lief, dass in Diersfordt bald kein Schulbus mehr fährt, wenn keine Familie mit Kindern zuzieht.

Deshalb hatte die CDU-Fraktion einst auch das Motto „Bauen für junge Familien" ausgegeben und das Thema weiter forciert, während beispielsweise die SPD sich von vornherein gegen die Bebauung aussprach. Fraktionsvorsitzender Ludger Hovest vertritt auch jetzt noch die Auffassung, dass seine Partei auf dem richtigen Weg ist. Natur müsse vor Bebauung gehen, sagte er gestern zu den Neuigkeiten rund um die Knoblauchkröte, die vielleicht demnächst von manchen geschluckt werden muss.

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