Gemeinsam für Wesel

Die SPD lud zum Weseler Kiesforum ein

Der Niederrhein hat eines der größten und hochwertigsten Vorkommen Europas

Renaturierung funktioniert heute anders als noch vor 50 Jahren, „Integrierte Projekte“ sind das Stichwort. So wurde aus der Lippemündung eine Auenlandschaft

Zukunft der Kiesindustrie

Die SPD Wesel lud am Donnerstagabend zum Weseler Kiesforum und holte die Akteure ans Podium im Ratssaal.

Wenn dieser Tage der Landesentwicklungsplan diskutiert wird, werden auch Weichen für die Zukunft der Kiesindustrie gestellt, auch die der Weseler Unternehmen: Es geht um die Ausweisung künftiger Abbauflächen. Die SPD lud am Donnerstag zum Weseler Kiesforum und holte die Akteure ans Podium im Ratssaal.

Die Weseler Kies und Sandwirtschaft in Zahlen bot Michael Schulz, Geschäftsführer der Hüls­kens-Holding: Sechs Werke von vier Unternehmen gibt es in Wesel, die zusammen einen Umsatz von 30 Millionen Euro im Jahr erwirtschaften, indem sie vier Millionen Tonnen Kies und Sand jährlich fördern. Hülskens, Rhein-Main-Kies, Holemans sowie Menting und Bresser beschäftigen rund 900 Mitarbeiter in Wesel. Die, das machte Betriebsratsvorsitzender Heinz Bonsiepe von Hülskens klar, verunsichert sind und um Lohn und Brot fürchten. Der Niederrhein hat eines der größten und hochwertigsten Vorkommen Europas. 58 Hektar Fläche werden pro Jahr im Kreis Wesel durch den Kiesabbau verbraucht.

Sensible Bereiche

Nicht immer zum Nachteil der Natur, wie Peter Malzbender, Kreisvorsitzender des Nabu, vortrug. „Was bereits genehmigt ist, werden wir nicht mehr bekämpfen.“ Darüber hinaus gehende Abgrabungen dürfe es im Europäischen Vogelschutzgebiet entlang des Rheins von Duisburg bis zur Holländischen Grenze nicht mehr geben. Auf intelligent renaturierten Abgrabungen, vorausgesetzt, sie werden beweidet, entsteht Artenvielfalt, demonstrierte er. Aber: Die sensiblen Bereiche wie der Lippemündungsraum müssten eingezäunt sein, um das Gleichgewicht zu schützen. Malzbender sprach sich dafür aus, einige der Seen für sanften Tourismus zu nutzen, andere zur Tabu-Zone zu erklären.

Renaturierung funktioniert heute anders als noch vor 50 Jahren, „Integrierte Projekte“ sind das Stichwort. So wurde aus der Lippemündung eine Auenlandschaft, werden Abgrabungen mit Hochwasserschutz verknüpft oder touristische Anziehungspunkte geschaffen. Mehrwert für die Stadt, Bürgermeisterin Ulrike Westkamp ist überzeugt „Wesel gewinnt“.

Kritische Stimmen bleiben. Die einen wünschten sich eine andere Nutzung der Seen. Umweltwissenschaftlerin Beate Böckels von der Niederrheinischen Sand- und Kiesbaggerei Rees widmete sich der Frage, wie die Seen erlebbarer werden können. Auch die Meinung der Landwirte ist gespalten - die einen verkaufen Land an die Auskieser, andere kämpfen für den Erhalt fruchtbarer Böden. Zu Wort meldeten sich Gegner, die Auskiesungen unter anderem wegen des Landschaftsverbrauchs komplett ablehnen, die Bürgerinitiative Eden aus Rees beispielsweise.

(Susanne Zimmermann WAZ)

 

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