Gemeinsam für Wesel

Integration in NRW

Podiumsdiskussion der Weseler SPD mit Zülfiye Kaykin


 15.06.2013
 

SPD entdeckt Migranten

„Integration in NRW" war das Thema bei einer Podiumsdiskussion der Weseler SPD. Ein Signal: Migranten sind wachsendes Wählerpotenzial.

VON WALTRAUD WILLEKE

WESEL Wer mit offenen Augen durch die Städte in Nordrhein-Westfalen geht, wird feststellen, dass das Bun­desland von Zuwanderung geprägt ist - teils in erheblichem Maß. Zur­zeit leben 4,1 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in NRW, darunter rund 1,5 Millionen Musli­me.

Wie funktioniert das Zusammen­leben? Was macht die Politik? Der SPD-Stadtverband Wesel arran­gierte zusammen mit Cihan Sarica, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Wesel, Unter dem Leitge­danken „Integration in NRW" eine Podiumsdiskussion. Als Referentin brillierte Zulfiye Kaykin, Staatsse­kretärin für Integration beim Minis­ter für Arbeit, Integration und Sozia­les des Landes NRW.

Als Kind kam sie Mitte der 70er Jahre nach Deutschland, als 15-Jäh­rige begann sie eine Berufsausbil­dung im Schuhhaus Dismer in Duisburg-Marxloh - bekannt auch als Anbieter in Wesel. Ihre persönliche Zuwanderungsgeschichte ist von Erfolg geprägt, aber zuletzt auch von politischen Angriffen. Doch wie sehen die Integrationsperspektiven der fast 80 000 Mitbürger mit Migra­tionshintergrund im Kreis Wesel aus, von denen die Hälfte eine deut­sche Staatsbürgerschaft besitzt?

„Die Zahlen zeigen, dass wir in ei­ner multikulturellen und einer mul­tireligiösen facettenreichen Ge­meinschaft leben. Diese Vielfalt ist

„Neben Berlin ist NRW das einzige Land, das mit einem Teilhabe- und Integrationsgesetz eine Brücke baute"

Zulfiye Kaykin, Staatssekretärin

Stärke und Chance zugleich", ver­deutlichte die Staatssekretärin. „Es ist kein Geheimnis: Deutschland und die Menschen, die sich hierher auf den Weg gemacht haben - das war keine Liebe auf den ersten Blick, sondern zu Beginn eine nüchterne, ja, kühle Vernunftsbeziehung", er­gänzte sie.

Schwierige Voraussetzungen für eine Integrationsoffensive oder gar Inklusion, wie Zulfiye Kaykin re­cherchierte. Doch in NRW kristallisierte sich eine Führungsrolle für eine moderne Integration heraus. „Neben Berlin ist NRW das einzige Land, das mit einem Teilhabe- und Integrationsgesetz eine Brücke bau­te", so Kaykin.

Damit wurde bundesweit eine vorbildliche Integrationsinfrastruk­tur geschaffen. „Integration heißt auch Mitmachen", appellierte sie zum Bewusstseinswandel. Dazu zähle auch das unmissverständliche „Ja" zur doppelten Staatsangehörig­keit.

„Am 17. Juni wird es erstmalig ei­nen gemeinsamen Empfang im Landtag für ,frisch' Eingebürgerte geben", informierte Kaykin. „Mig­ranten sind ein wichtiger werden­des Wählerpotenzial", signalisierte sie den Weseler Genossen. „Wir müssen allen Menschen mit Migra­tionshintergrund das Gefühl geben, willkommen zu sein. Nur wer sich wohlfühlt, wird auch bereit sein, mit anzupacken und sich an die Gestal­tung der öffentlichen Belange betei­ligen. Überwinden wir Hindernisse gemeinsam, um alle das Ziel einer Gesellschaft ohne Vorbehalte zu er­reichen", konkretisierte sie ihre Vor­stellungen.

 

17.06.2013

 

Verlangen nach doppelter Staatsbürgerschaft

Gut besuchte SPD-Veranstaltung zur Integration

Wesel. Integration ist immer ein ak­tuelles Thema, aber in diesen Tagen rücken einzelne Aspekte mit Blick auf die aktuellen Ereignisse in der Türkei vielleicht besonders in den Blickpunkt. Das drängt manchen, sich auszutauschen, und wenn dann auch noch Zulfiye Kaykin, NRW-Staatssekretärin für Integration, zu Gast ist, kommen zur SPD-Veran­staltung zum Thema viele Besuche­rinnen und Besucher: etwa 100 zähl­ten die Veranstalter im Parkettsaal der Niederrheinhalle - die Hälfte von ihnen mit Migrationshintergrund.

Sprache als Schlüssel

Sie und viele andere bekunden, dass sie sich in Wesel wohlfühlen, dass sie, wenn sie etwa in ihrem Heimat­land Türkei sind und auf Weseler treffen, freudig auf sie zugehen. Der Schlüssel zur Integration, da be­stand Einigkeit, liegt in der Beherr­schung der deutschen Sprache. Hel­mut Dismer schilderte das erfolgrei­che Modell der Rotarier, bei dem jun­ge Leute, in Familien ausländischer Herkunft auflockere Art und Weise Deutsch-Unterricht erteilen. Gutge­heißen wurde auch der Islam-Unterricht an Schulen. Befürchtungen, dass dort extremistische Inhalte ver­breitet würden, seien unberechtigt.

Die Frauen mitnehmen

Angesprochen wurde auch, dass Frauen in „aktive Integration", etwa beim Besuch von Veranstaltungen, zu wenig einbezogen würden. „Bringt eure Frauen und Töchter mit", appellierte Zulfiye Kaykin an die Männer. Im Parkettsaal betrug der entsprechende Frauen-Anteil ge­rade mal zwei Personen.

Unverständnis zeigte sich in der Frage der doppelten Staatsbürger­schaft. Zwischen der Bundesrepub­lik Deutschland und 53 Staaten gebe es eine solche Regelung, berichtete die Staatssekretärin, darunter etwa Marokko. Mit der Türkei indes nicht. Türkischstämmige junge Leute müs­sen sich bis zum 23. Lebensjahr ent­scheiden, ob sie Deutsche oder Tür­ken sein wollen. Nach der Bundes­tagswahl will die SPD eine neue Ini­tiative starten, dies zu ändern.

Wesels SPD will die Veranstaltung fortsetzen, die sie gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Integrations­rates, Cihan Sarica, ausrichtete.


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