Gemeinsam für Wesel

150 Jahre SPD

Ludger Hovest blickte auf die Anfänge der SPD in Wesel

24.05.2013

1919 saß nur ein Genosse im Rat

Aus der Geschichte der Weseler SPD: Fritz Gaulke machte den Anfang

Von Petra Herzog

Wesel. Die SPD feierte sich und ihre 150 Jahre gestern mit viel Pro­minenz in Leipzig. Derweil setzte sich SPD-Stadtverbands- und Frak­tionsvorsitzender Ludger Hovest hin und kramte in der Historie der Weseler Sozialdemokraten. Wo und wann sie genau begann, ist nicht ganz klar, doch ein paar Daten hat der Genosse aus Lack­hausen herausgesucht - aus dem Buch „Die Geschichte der SPD in Wesel", das Jörg Maas verfasste und 1990 herausgegeben wurde. Damals trug Ludger Hovest noch Bart. Der ist zwar längst ab, doch die Sozialdemokratie schreibt wei­ter Geschichte.

Wir fühlen uns als die Wesel-Par­tei", sagt Hovest und sieht sich tief in der Weseler Gesellschaft verwur­zelt. Um Probleme zu lösen, trete man geschlossen auf und freue sich über rund 350 Mitglieder. Austritte gebe es nicht, im Gegenteil, es kä­men neue Genossen hinzu, wenn­gleich der Parteichef einräumt, vie­le ältere Mitglieder zu haben. So­ziale Gerechtigkeit sei nach wie vor der Hauptantrieb der Sozialde­mokraten, auch wenn die Volks­partei durchaus auch im wertkon­servativen und liberalen Bereich unterwegs sei.


Es war der 21. Oktober 1849, als in einer Polizeiakte über Handwer­kervereine in Wesel berichtet wur­de, Vorgängerorganisationen der SPD. Am 26. Juni 1869 gab es schließlich eine Nachwahl zum Reichstag, bei dem für den Wahl­kreis Emmerich, Rees, Wesel der Zigarettenhändler Klein antrat. Der Sozialdemokrat holte 532 Stimmen und unterlag damit einem Freikonservativen, der sich immerhin 4400 Stimmen sicherte. Allzu viel lässt sich für die Zeit bis zum ersten Weltkrieg nicht entdecken. Nur das: 1872 teilte der Landrat der Bezirksregierung mit, dass jemand das Abonnement der Zeitung „Vorwärts" abbeslellt hatte.

Der erste namentlich erwähnte Sozialdemokrat war Fritz Gaulke, später Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in Wesel. Wäh­rend in Rees, Emmerich und Dinslaken viele Genossen vertreten wa­ren, gab es in Wesel ein eher kon­servatives Umfeld. Am 28. März 1919 wurde Gaulke als einziger SPD-Mann in den Stadtrat gewählt. Um dieses Datum herum muss sich die SPD konstituiert ha­ben. In den 20er Jahren taucht schließlich ein Heinrich Gaulke auf. Da gab es 200 SPD-Mitglieder in der heutigen Kreisstadt. Sie er­zielten laut Hovest durchwachsene Wahlergebnisse. Nach 1933 folgte erst 1945 wieder ein Eintrag. Die Alliierten setzten einen Gemeinde­rat ein. Bürgermeister Fournell (CDU) hatte Dr. Berger (SPD) zum Stellvertreter. Und bei den Neu­wahlen im Tannenhäuschen am 7. August 1949 schaffte es sogar eine Frau in den Vorstand. Mittlerweile gab es fünf SPD-Bürgermeister: Kurt Kräcker, Willi Nakaten, Wil­helm Schneider, Bernhard Gründ­ken und aktuell Ulrike Westkamp.

 

24.05.2013

Der schwere Start der SPD in Wesel

150 Jahre SPD: die Anfänge in der konservativen Stadt. Hovest schaut zurück.

VON THOMAS HESSE

WESEL 23. Mai 1863 gilt als Geburts­stunde der deutschen Sozialdemo­kratie. Für Fraktionschef Ludger Hovest war das gestern Anlass zu­rückzublicken auf die Anfänge der SPD in Wesel, von denen nur wenige Spuren bekannt sind. Er spannte den Bogen zur Jetzt-Zeit, in der die SPD nicht nur die Bürgermeisterin stelle, sondern auch als „moderne Partei fest in allen gesellschaftli­chen Bereichen unserer Stadt ver­ankert ist". In diesem Zusammen­hang verwies der Chef-Genosse auf die neu gestaltete Internetseite www.spd-wesel.de mit „vielen schönen Bildern".

Hovest blätterte zum SPD-Jubilä­um in einer Broschüre aus seiner Zeit als Landtagsabgeordneter. 1990 hatte ein Praktikant die Geschichte der Weseler SPD untersucht. Ein Gründungsdatum der Partei ist nicht feststellbar. Am 31. Januar 1919 - in der Zeit, in der die Arbei­ter- und Soldatenräte streikten und kämpfend bis zum Lippeschlösschen vordrangen - taucht der Vor­sitzende Fritz Gaulke in den Akten der Polizei auf. Doch schon seit dem 21. Oktober 1849 sind Vorläufer-Or­ganisationen aktenkundig. Ebenso wie das Ergebnis zur Nachwahl des Reichstags am 26. Juni 1869, als auch in Wesel ein Sozialdemokrat auf dem Stimmzettel stand. Es war der Zigarettenhändler Klein, der 532 von 6027 Stimmen holte, während die siegreichen Freikonservativen 4400 erhielten, wie Hovest berichte­te. Übrigens wurde damals im Be­zirk Wesel, Emmerich und Rees ge­wählt, wobei der SPD-Mann in We­sel besonders schlecht abgeschnit­ten haben soll.

Die Sozialdemokraten waren oh­nehinverdächtig als „vaterlandslose Gesellen" und standen unter Beob­achtung. Im braven Wesel, der Gar­nisonsstadt, ging's politisch eher unauffällig zu. Jedenfalls vermeldet das Landratsamt: „Es gibt keine so­zialdemokratischen Umtriebe." Auch publizistisch hatte die SPD im kulturell interessierten Wesel einen schweren Stand. Das damals höchst verdächtige Partei-Blatt „Vorwärts" wurde zwischen 1873 und 1875 nur einem einzigen Abonnenten zuge­stellt. Der gab irgendwann auf. „Die Parteizeitung wurde abbestellt", vermerkt die zuständige staatliche Stelle. In Nachbarstädten war das gewerkschaftliche Umfeld politisch aktiver. „Wesel war zu konservativ als Behörden- und Soldatenstadt", weiß Hovest.

Später in der Weimarer Zeit er­starkte die SPD, bevor sie sich durch Spaltung schwächte und von den Nazis zerschlagen wurde. Nach der Neugründung der SPD 1946 - Par­teilokal damals: das Tannenhäus­chen - „nahm die SPD einen guten Verlauf". Legendär ist Kurt Kräcker, der als Bürgermeister in der alten Stadt Wesel (ohne Dörfer) mit abso­luter Mehrheit regierte.

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