Gemeinsam für Wesel

Müllkippe bremst Südumgehung aus

RP Pressebericht

Ludger Hovest fordert angesichts des Methangas-Problems, den Grund der ganzen Trasse nochmals gründlich zu untersuchen, um weitere böse Überraschungen zu vermeiden. Dass an dieser Stelle nach dem Krieg Schutt abgeladen wurde, sei allerdings allen bekannt gewesen.

Ludger Hovest

Wesel Seit Ende Juni ist die Baustelle der B 58n im Lippemündungsraum verwaist. Weil Methangas entdeckt wurde, hat die Bezirksregierung einen Baustopp verhängt. Straßen NRW hofft, dass es Ende August weitergeht. Die Kosten laufen weiter.

Von Klaus Nikolei

Seit mittlerweile sechs Wochen ruht die Umgehungsstraßen-Baustelle im Lippemündungsraum. Und das hat nichts mit den Sommerferien zu tun. Grund ist, dass die Bezirksregierung einen Baustopp verhängt hat. Wie unsere Redaktion auf Anfrage beim zuständigen Landesbetrieb Straßen NRW erfahren hat, ist bei Kanalerweiterungsarbeiten unterhalb des Gewerbegebietes Am Lippeglacis Methangas entdeckt worden, das sich im Bereich einer alten Deponie gebildet hat. Aus Sicherheitsgründen hat die Düsseldorfer Oberbehörde dafür gesorgt, dass die Arbeiten eingestellt wurden, um Gefahren für die Mitarbeiter der dort beschäftigten Tiefbaufirma auszuschließen.

„Nun finden dort Sondierungen statt um zu realisieren, was da im Untergrund ist“, erklärt Gregor Hürter, Sprecher bei Straßen NRW in Mönchengladbach. Bei einem Treffen von Experten in der vergangenen Woche in Wesel, so Hürter weiter, sei man übereingekommen, dass es ab dem 30. August an der Baustelle weitergehen könne. Zu Detailfragen allerdings, ob der Zeitplan durch den Stillstand überhaupt noch eingehalten werden kann – zuletzt war vom Fertigstellungstermin Ende 2022 die Rede – und wie nun alles konkret weitergeht, konnte Hürter nichts sagen. „Die Verantwortlichen befinden sich alle noch im Urlaub“, wirbt er um Verständnis.

Unabhängig davon, ob die Kanalbauarbeiten und die ebenfalls noch lange nicht abgeschlossene Verfüllung der Lippe Ende des Monats tatsächlich weitergehen, sehen Insider die Gefahr, dass der Bau der B 58n länger dauern dürfte als angenommen und die Sache auch teuer wird. Denn die Kosten für die von Straßen NRW beauftragten Firmen laufen weiter – auf Kosten des Steuerzahlers.
 

Es stellt sich die Frage, ob denn der Landesbetrieb nichts von der Deponie wusste und mit den Gasfunden nicht hätte rechnen müssen? Bei den Stadtwerken Wesel, die in den Kanalbau involviert sind, sieht man die Sache so: „1987 wurde der Überlaufkanal, der nun verlängert werden muss, erneuert. Man wusste von der Müllhalde, auf der Bauschutt deponiert war. Damals aber gab es keine Probleme“, erklärt  der Technische Leiter Henning Wagner im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Probleme seien erst jetzt in dem Bereich aufgetaucht, der für die Erweiterung benötigt werde. Weil der Kanal, durch den Regenwasser aus dem Gewerbegebiet abgeleitet werden soll, einen Durchmesser von 1,20 Meter hat, muss er vor dem Bau der Umgehungsstraße errichtet werden.

Die Verzögerungen bei dem Großprojekt dürften in den nächsten Tagen in der Weseler Politik für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Denn dort ist von dem Baustopp bislang nichts bekannt gewesen.